Hallo
  Startseite
    über mich
    sinnfreies gelaber der ganz üblen sorte
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 


 
Freunde
   
    anibeutel

    may-laura
    - mehr Freunde



http://myblog.de/idhsihuhsd

Gratis bloggen bei
myblog.de





 

Nach endlosen grauenhaften Begegnungen mit den Ungeheuern kam das Kind mit dem reinsten Herzen der Welt in die Eiswüste und lief fern aller Zivilisation dem Horizont entgegen. Hier, an diesem gottverlassenen Ort, an dem noch nicht einmal Tiere zu leben schienen, würde sie keinen Ungetümen mehr begegnen. Endlich umzingelt von makelloser Einsamkeit, entspannte sich ihr schönes Herz und atmete die unverdorbene kalte Luft. Erst als sie eine Hütte erblickte, die kaum merklich aus dem Eis herausragte, schoss wieder Blut in ihre Glieder. War es denn möglich, dass es unter allen schwarzen Wesen noch jemanden gab, dessen Inneres in der Düsternis nicht gedeihen konnte und hier seine Bestimmung suchte? Dem Mädchen wurde warm und bald klopfte ihre steife Hand an die Holztür, die der Wind zum Klappern brachte. Ein großer Mann mit langem schwarzem Bart stand vor ihr und musterte sie. Ohne eine einzige Frage ließ er sie herein und setzte sich auf einen Baumstumpf, den er mit einem Fell ausgestattet hatte. Das Mädchen schloss die widerspenstige Tür und sah sich unter den schonungslosen Blicken des Mannes um. An den Wänden hingen Felle und sonst nichts, wahrscheinlich um den unbeholfenen Bau der Hütte zu verstärken, die überall vom Schnee sprach durch die vielen Spalten im Holz. Auf dem Boden lagen also ein paar Stümpfe und wenige magere Fische. Der Mann war entfernt von jedem anderen Ziel als dem Überleben. Gerade regten sich ein paar Gedanken in ihr, da sprach er schon: „Ich weiß, wonach du suchst“

Das Mädchen blickte ihn an und ein paar Fragen kamen und gingen in ihren Augen, dann flüsterte sie laut genug, dass auch der pfeifende Wind sie vernehmen konnte: „Hast du es?“

„Nein“, sagte der Mann und ein paar Antworten passierten in seinen Augen. Er öffnete den Mund und schloss ihn wieder, dann war er wieder leise. Zwar hatte ihr Herz einen Stich erfahren, doch noch war es nicht vorüber und so fragte sie erneut. „Doch warum nicht. Da du doch an diesem Ort lebst, so fern…“ Traurigkeit beschlich das Gesicht des Mannes. „Ich bin nicht hier, weil ich gut bin. Ich bin hier, weil ich böse bin.“ Das Mädchen ging einen Schritt zurück und ihr Körper lehnte an der dehnbaren Wand. „Aber du tust mir nichts?“, fragte sie mit einer gehetzten Stimme, die aus ihren gebannten Tiefen wiedererwacht war.

„Nein“, sprach der Mann und rührte sich auch nicht. Er saß immer noch auf dem Holzstumpf und schaute sie müde an. „Ich mag Kinder…“

„Aber ich bin ein Kind!“, sagte das Mädchen schrill.

„Nein, das bist du nicht“, erwiderte der Mann. „Du bist ein Monster.“ Er wühlte unter einem der Felle und reichte ihr einen Spiegel. „Hier“, sagte er. „Wann hast du dich das letzte Mal gesehen?“ Der Spiegel in der zitternden Hand des Mädchens offenbarte eine entstellte Fratze. Sie war ein Monster. Jetzt weinte das Kind. „Aber…“, suchte sie in ihrer Verzweiflung nach den Worten, „mein Herz ist gut!“

Etwas wie Mitleid fand in den harten Augen des Mannes Platz ehe er begann zu erzählen:

„Ja, vielleicht war es das einmal. Doch dein schönes Herz hat alle Ungeheuer verstoßen, die dich lieblich ansahen, so wie du jedem sehnsüchtigen Blick entkommen bist. Warst du nicht ein Ungeheuer in deinem Bemühen in keinen Kontakt mit der Welt zu treten? Ist nicht die Wärme deines Herzens in sich verkümmert, nur noch dem einzigen Zweck dienlich, sich zu bewahren? Wir alle sind Ungeheuer, Kind. Manche von uns waren es immer, manche sind es erst geworden, doch Ungeheuer sind wir alle. Dein Glauben, dies verhindern zu können, hat dich ebenso hässlich gemacht.“

3.7.08 18:29
 


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung